Punkt MC-2: Die Behauptung des Weißen Hauses darüber, wie lange
Punkt MC-2: Präsident Bush im Klassenzimmer in Florida verblieb

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Einleitung

Nachdem Präsident Bush das Klassenzimmer in Sarasota, Florida betreten hatte, flüsterte sein Stabschef, Andrew Card, ihm Berichten zufolge ins Ohr: „Ein zweites Flugzeug hat den zweiten Turm getroffen. Amerika wird angegriffen.“ [1]

Die offizielle Darstellung
Nachdem Präsident Bush die Nachricht von Card erhalten hatte, verließ dieser den Raum zügig, während er höflich blieb und nichts tat, was die Kinder hätte erschrecken können.

  • Der Präsident blieb „nur noch einige Sekunden“, wie Card dem San Francisco Chronicle erzählte, und dann „entschuldigte er sich sehr höflich sowohl bei der Lehrerin als auch bei den Schülern, um dann zu gehen.“ [2]
  • Der Präsident „wollte die Kinder nicht alarmieren“, erzählte Karl Rove der NBC. Wissend, dass „die Stunde dem Ende zuging … wartete er für einige Momente … ganz und gar nicht lang … und dann kam er in das Lehrerzimmer.“ [3]
  • Sandra Kay Daniels, die Lehrerin der zweiten Klasse, die von Bush besucht wurde, erzählte der Los Angeles Times: „Ich wusste, dass etwas nicht stimmte, als der Präsident nicht das Buch nahm und sich nicht an der Stunde beteiligte … Er sagte, ‚Mrs. Daniels, ich muss jetzt gehen. Ich werde Lt. Gov. Frank Brogan hier lassen, um die Rede für mich halten zu lassen.‘ Wenn man in sein Gesicht sah, wusste man, dass etwas nicht stimmte. … Er schüttelte meine Hand und ging.“ [4]
Die „Besten Beweise
Während alle oben beschriebenen Berichte 2002 am oder um den ersten Jahrestag von 9/11 veröffentlicht wurden, gab es frühere Berichte in diesem Jahr, die eine völlig andere Geschichte erzählten.

  • In einem Artikel des Tampa Tribune, der am 1. September 2002 veröffentlich wurde, schreibt Reporter Jennifer Barrs, dass Präsident Bush, nachdem Card ihm ins Ohr geflüstert hatte, 30 Sekunden komplett still blieb, dann das Buch zur Hand nahm und mit den Kindern „für acht bis neun Minuten“ las. [5]
  • Der Artikel des Tampa Tribune, der 10 Tage vor dem oben zitierten Artikel von Sandra Kay Daniels erschien, hatte beschrieben, dass Daniels selbst für „acht bis neun Minuten“ mit den Schülern gelesen hatte. Der Artikel fügte hinzu, dass Daniels, die bemerkt hatte, dass Bush so „gedankenverloren war“, dass er „das Buch in seinem Schoss vergessen hatte“, mit einem schwierigen Problem konfrontiert war: „Ich konnte ihn nicht vorsichtig anstupsen … Ich konnte nicht sagen, ‚OK, Mr. Präsident. Nehmen Sie ihr Buch zur Hand. Die ganze Welt schaut zu.‘ “ [6]
  • Verschiedene Berichte deuteten an, dass Bush, nachdem die Lesestunde vorbei war, fortfuhr zu reden. [7] Bush „zögerte ganz offen den Moment hinaus“ und „verweilte sogar, bis die Presse verschwunden war“, schrieb Bill Sammon (der Weiße Haus Korrespondent für die Washington Times), der Bush als „Trödler im Amt“ bezeichnete. [8]

Die Tatsache, dass Bush nicht schnell den Raum verlassen hatte, wurde durch ein Video über den Besuch im Klassenraum bestätigt, das vom lokalen Direktor des Kabelfernsehens aufgenommen worden war und das im Juni 2003 im Internet verfügbar wurde. [9]

  • Das Wall Street Journal berichtete im März 2004, dass dieses Video zeige, dass Bush „weitere fünf Minuten anwesend blieb, während die Kinder laut eine Geschichte über eine Ziege als Haustier lassen“. [10]
  • Dieses Video erlangte noch mehr Aufmerksamkeit, als Michael Moores Film „Fahrenheit 9/11“, in dem es verwendet wird, im Juni 2004 erschien.
  • Als das Weiße Haus vom Wall Street Journal für den Artikel im März 2004 Artikel kontaktiert wurde, gab Sprecher Dan Bartlett zu, dass der Präsident für mindestens weitere sieben Minuten im Klassenraum verblieben war. Das nicht sofortige Gehen begründete er mit dem Instinkt des Präsidenten, „nicht die Kinder durch das fluchtartige Verlassen des Klassenraums zu verschrecken“. [11]
  • Selbst wenn die Erklärung akzeptiert worden wäre, bleibt jedoch die Frage, die vom Wall Street Journal nicht gestellt wurde, warum am ersten Jahrestag von 9/11, das Weiße Haus unter Bush eine Lüge über den Sachverhalt verbreitete, wie lange Bush im Klassenraum geblieben war.
    War es, weil das Weiße Haus, das Bush erfolgreich als einen starken Anführer in seiner Antwort auf die Anschläge von 9/11 dargestellt hatte, die Tatsache vertuschen wollte, dass er lieber weiter Kindern beim Lesen einer Geschichte zuhörte, denn als Präsident und Oberhaupt der Nation sofortige Handlungen einzuleiten? War es, weil der Secret Service (wie bereits im Konsenspunkt MC-1: „Warum wurde Präsident Bush aus der Schule in Florida nicht sofort in Sicherheit gebracht?“ erwähnt) wusste, dass das Land nicht wirklich von ausländischen Terroristen angegriffen wurde?

Wie auch immer das Motiv aussah: Das Weiße Haus unter Bush nutzte die nationalen Medien am Jahrestag von 9/11, um eine falsche Geschichte über den Präsidenten in Umlauf zu bringen.

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Quellenangaben für Punkt MC-2
Andrew Card: „What If You Had to Tell the President? [Was, wenn Du es dem Präsidenten sagen müsstest?]“, San Francisco Chronicle, 11. September 2002. Ebenso erzählte Card Brian Williams von NBC: „Ich entfernte mich wieder vom Präsidenten und nur einige Sekunden später entschuldigte sich der Präsident vom Klassenzimmer. Wir versammelten uns im Warteraum und besprachen die Situation“, NBC News, 9. September 2002. Card erzählte ähnliches ABC News: „Der Präsident wartete einige Momente, um die Schüler fertig werden zu lassen, und dann sagte er: ‚Ich danke euch vielmals, dass ihr mir eure Lesefähigkeiten gezeigt habt‘ und dann begab er sich zum leeren Klassenraum nebenan“, in „Sept. 11’s Moments of Crisis: Part 1: Terror Hits the Towers [etwa: Momente der Krise des 11.9.: Teil 1: Terror trifft die Türme]“, ABC News, 14. September 2002
9/11 Interview mit Campbell Brown“, NBC News, 11. September 2002
Sandra Kay Daniels: „9/11: A Year After/Who We Are Now [9/11: Ein Jahr danach/Wer wir jetzt sind]“, Los Angeles Times, 11. September 2002.
Jennifer Barrs: „From A Whisper To A Tear [Von einem Flüstern zu einer Träne]“ in der Tampa Tribune vom 1. September 2002. Aufgrund der Wichtigkeit dieser Geschichte und der Tatsache, dass sie im Internet nahezu nicht mehr auffindbar ist, siehe Elizabeth Woodworth: „Präsident Bush in der Schule in Florida: Neue widersprüchliche Zeugenaussagen“, 7. Juli 2007, 911Blogger.com.
Barrs: „From A Whisper To A Tear [Von einem Flüstern zu einer Träne]“
Ibid.; Bill Adair und Stephen Hegarty: „Das Drama in Sarasota“, St. Petersburg Times, 8. September 2002.
Bill Sammon: „Fighting Back: The War on Terrorism from Inside the Bush White House [etwa: Gegenangriff: Der Krieg gegen den Terrorismus aus dem Inneren von Bushs Weißem Haus]“, Washington, Regnery, 2002, S. 89-90.
Scot J. Paltrow: „Government Accounts of 9/11 Reveal Gaps, Inconsistencies [etwa: Darstellungen der Regierung von 9/11 enthalten Lücken, Inkonsistenzen]“, Wall Street Journal, 22. März 2004

 

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