Punkt PC-1A: Der Anruf Todd Beamers von Flug UA 93:
Punkt PC-1A: Ein schwerwiegendes Problem mit dem Zeitablauf

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Einleitung
Wie im Punkt PC-1 erklärt, basierte die berühmte „Let’s-Roll-Geschichte“, in der Todd Beamer eine Revolte der Passagiere auf Flug UA 93 anführte und dadurch verhinderte, dass das Flugzeug zum Kapitol gelangte, [1] auf einem angeblichen Anruf Beamers, der bei GTE-Supervisor Lisa Jefferson landete. [2]

Im November 2001 verwendete Präsident Bush „Let’s Roll“, um Amerika in einer die Stimmung anheizenden Rede zu den Waffen zu rufen, um die Terroristen zur Strecke zu bringen. [3]

Die Washington Post schrieb 2002: „Von Präsident Bush zu Eigen gemacht und zum Schlachtruf erhoben“, sah man „Let’s roll“ auch „auf Kampfflugzeugen der Luftstreitkräfte, auf Feuerwehrwagen, auf Sporttrikots in Schulen, auf zahllosen T-Shirts, Schirmmützen und Buttons prangen.“ [4]

Punkt PC-1: „Die angeblichen Anrufe von Todd Beamer, Flug UA 93“, warf acht ernste Fragen hinsichtlich der Echtheit der Anrufe Beamers auf. Der vorliegende Punkt (PC-1A) zeigt ein weiteres Problem auf: einen schwerwiegenden Widerspruch zwischen drei offiziellen Berichten und den Verbindungsnachweisen hinsichtlich des Gesprächsbeginns des einstündigen Telefonats Beamers mit GTE-Supervisor Lisa Jefferson.

Die offizielle Darstellung
  1. Laut dem Abschlussbericht der Untersuchungskommission zu den Anschlägen vom 11. September 2001 von 2004 begann die Entführung von Flug UA 93 um 9:28 Uhr (Ostküstenzeit):

    „Die Entführer griffen um 9:28 Uhr an. In über 10.600 m Höhe sackte United 93 über dem Osten Ohios plötzlich mehr als 200 m ab. Elf Sekunden später erhielt das Flugsicherungszentrum der FAA in Cleveland die Erste von zwei Funkübertragungen aus dem Flugzeug. Beim ersten Funkspruch konnte man neben Kampfgeräuschen im Cockpit auch hören, wie der Kapitän oder der erste Offizier ‚Mayday‘ ausrief. Die zweite Übertragung, 35 Sekunden später, gab zu erkennen, dass immer noch gekämpft wurde. Man hörte den Kapitän oder den ersten Offizier rufen: ‚Hey, raus hier – raus hier – raus hier!‘ “. [5]

    Der Abschlussbericht der Untersuchungskommission zu den Anschlägen am 11. September 2001 nannte mehrere Untersuchungen der US-amerikanischen Transportsicherheitsbehörde (NTSB), der Bundesluftfahrtbehörde der USA (FAA) und des Luftfahrt-Nachrichtenübermittlungssystems (ACARS), um den Beginn der Entführung von Flug 93 um 9:28 Uhr zu belegen. [6]

  2. Die vom FBI im Moussaoui-Prozess 2006 unter Eid gemachten Aussagen, die auch durch Verbindungsnachweise bekräftigt wurden, zeigen aber, dass der Anruf Beamers die GTE-Supervisor Lisa Jefferson um 9:48:48 Uhr erreichte und 3.925 Sekunden (oder 65,4 Minuten) dauerte. [7]
Die „Besten Beweise

Die beiden o. g. offiziellen Zeitachsen der offiziellen Darstellung stehen in krassem Widerspruch zueinander.

Außerdem gab GTE-Supervisor Lisa Jefferson bei ihrer Befragung durch das FBI am 11. September 2001 an, dass um etwa 8:45 Uhr CDT (Central Daylight Time, entpricht 9:45 Uhr EDT, Ostküstensommerzeit)

„Beamer anrief, um mitzuteilen, dass das Flugzeug eben entführt werden würde. Er erklärte, drei Personen, zwei mit Messern, der Dritte mit einer Bombe an einem roten Gürtel um seine Taille geschnallt, schickten sich an, die Kontrolle über den Flug zu übernehmen. Jefferson schätzte, dass sie sieben Minuten lang mit Beamer sprach, bevor die beiden bewaffneten Entführer in das Cockpit eindrangen und die Tür hinter sich verschlossen.“ [8]

Ernsthafte Probleme bezüglich des Beamer-Anrufs:

  1. Es gibt einen unüberwindbaren Konflikt zwischen:
    1. den Berichten des NTSB, der FAA und des ACARS, in denen 9:28 Uhr als Beginn der Entführung von Flug 93 angegeben wird und
    2. den Verbindungsnachweisen, die im Moussaoui-Prozess vorgelegt wurden und belegen, dass Beamer seinen Anruf bei Jefferson um 8:48 Uhr CDT (9:48 Uhr Ostküstenzeit) tätigte, was ja, wie Jefferson schätzte, sieben Minuten vor der Entführung war.
  2. Jeffersons Schätzung, dass sie sieben Minuten lang mit Beamer sprach, „bevor die beiden mit Messern bewaffneten Entführer ins Cockpit eindrangen“, legt die von Beamer angekündigte Entführung auf etwa 9:55 Uhr, also über 20 Minuten nach 9:28 Uhr – die Uhrzeit, die in mehreren Flugdatenberichten von NTSB, FAA und ACARS genannt wird.
  3. Wenngleich der Abschlussbericht der Untersuchungskommission angab, dass das Flugzeug um 9:28 Uhr in einer Höhe von über 10.600 m abrupt absackte, [9] erklärte Jefferson bei ihrer Befragung durch das FBI, dass während seines Anrufs um (etwa) 9:45 Uhr „Beamer sagte, nach einer kurzen Weile habe sich das Flugzeug sehr unregelmäßig bewegt und habe dies auch weiterhin getan.“ [10]
  4. Während der Abschlussbericht der Untersuchungskommission angab, es habe bei der Entführung einen Kampf und Rufe wie „Mayday“ und „Raus hier!“ aus dem Cockpit gegeben, [11] sagte Jefferson bei der FBI-Befragung „dass es ungewöhnlich wenig Hintergrundgeräusche gab.“ [12]
  5. Das Problem hinsichtlich des Gesprächsbeginns des Anrufes von Beamer bekräftigt das 6. Problem, das unter Punkt PC-1 diskutiert wurde, und zwar bezüglich des Gesprächsendes (laut Jefferson war Beamer nämlich nicht mehr am Apparat, nachdem er „Let’s roll!“ gesagt hatte. Obwohl sie noch „wahrscheinlich 15 Minuten“ in der Leitung wartete, habe sie „nie einen Crash gehört“ und fügte hinzu: „Ich kann mir das nicht erklären. Wir haben die Verbindung nicht verloren, weil sich das anders anhört. Man hört ein pfeifendes Geräusch, wenn die Verbindung abbricht. Die Verbindung brach aber nicht ab, es wurde nur still.“)
    Demnach stand die Verbindung laut Jefferson noch 10 bis 15 Minuten nach der offiziellen Absturzzeit um 10:03 Uhr. [13]
Fazit

Die beiden widersprüchlichen Zeitachsen weichen mehr als 20 Minuten voneinander ab. Angesichts der im vorangegangenen Punkt PC-1 dargestellten Probleme ergeben sich drei Fragen:

  1. Warum beschrieb Beamer ein Ereignis, das sich drei offiziellen Quellen zufolge mehr als 20 Minuten früher ereignet hatte, als würde es erst zu jenem Zeitpunkt stattfinden?
  2. Warum geben die Verbindungsnachweise, die das FBI 2006 im Moussaoui-Prozess vorlegte, 9:48 Uhr für den Beginn von Beamers Anruf über die Entführung an, obwohl drei offizielle Quellen die Entführung auf über 20 Minuten früher legen?
  3. Wenn Flugzeugtelefone vom Stromnetz des Flugzeugs gespeist werden, wie konnte die Verbindung zu Beamers Telefon – wie im Moussaoui-Prozess behauptet – noch für 45 Minuten, nachdem das Flugzeug abgestürzt und zerschellt war, weiter bestehen?

Somit ergänzen sich die Fragen bezüglich des Beginns des angeblichen Beamer-Anrufs und die in Punkt PC-1 aufgeworfenen Fragen hinsichtlich des Gesprächsendes, was wiederum die Zweifel an der Echtheit des Anrufs von Todd Beamer bei Lisa Jefferson verfestigt – und auf diesem Telefonat beruht der gesamte „Let’s-roll-Feldzug“, der das Heldentum der Passagiere von Flug UA 93 glorifiziert.

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Quellenangaben für Punkt PC-1A
Lisa Beamer und Ken Abraham: „Let’s Roll: Ordinary People, Extraordinary Courage [etwa: Los geht’s: Gewöhnliche Leute, Außerordentlicher Mut]“, Tyndale House, 185, 2002
Lisa D. Jefferson and Felicia Middlebrooks: „Called: Hello, My Name Is Mrs. Jefferson. I Understand Your Plane Is Being Hijacked. 9:45 Am, Flight 93, September 11, 2001“ (Northfield Publishing, 2006), 53; Jim McKinnon: „13-minute call bonds her forever with hero [etwa: 13-minütiges Telefonat verbindet sie für immer mit Helden]“, Pittsburgh Post-Gazette, 22. September 2001.
„Bush: ‚My Fellow Americans, Let’s Roll’ “, Jessica Reaves, Time Magazine, 9. November 2001
Peter Perl: „Hallowed Ground [etwa: Geheiligter Boden]“, Washington Post, 12. Mai 2002
The 9/11 Commission Report [Abschlussbericht der Untersuchungskommission zu den Anschlägen am 11. September 2001], 2004, 11.
Ibid., S. 456 (pdf: 473), Fußnote 70: „… ‚Commission review of Aircraft Communication and Reporting System (ACARS) messages sent to and from Flight 93 (which indicate time of message transmission and receipt) [Der Kommission Besprechung der an und von Flug 93 gesendeten ACARS-Meldungen (mit Angabe der Sende- und Empfangszeiten)]‘ …“ und Fußnote 71: „Zu FDR [flight data recording, Flugdatenaufzeichnung], siehe Bericht des NTSB, ‚Specialist’s Factual Report of Investigation — Digital Flight Data Recorder‘ für United Airlines Flug 93, 15. Februar 2002; Zu CVR [cockpit voice recording, Cockpit-Sprachaufzeichnung] siehe Bericht des FBI, ‚CVR from UA Flight #93‘, 4. Dezember 2003; Bericht der FAA, ‚Summary of Air Traffic Hijack Events: September 11, 2001‘, 17. September 2001; ‚NTSB report, Air Traffic Control Recording — United Airlines Flight 93‘ (backup), 21. Dezember 2001.“
The 9/11 Commission Report [Abschlussbericht der Untersuchungskommission zu den Anschlägen am 11. September 2001], 2004, S. 11 (pdf-S. 28)
The 9/11 Commission Report [Abschlussbericht der Untersuchungskommission zu den Anschlägen am 11. September 2001], 2004, S. 11 (pdf-S. 28)
Wendy Schuman: „ ‚I Promised I Wouldn’t Hang Up’ “, Beliefnet, 2006

 

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