Punkt PC-1: Die angeblichen Anrufe von Todd Beamer, Flug UA 93

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Die offizielle Darstellung

Todd Beamer war einer der Passagiere auf Flug UA 93, der auf heldenhafte Weise die Entführer davon abhielt, ihr Ziel in Washington D.C. zu erreichen. Als sich eine Gruppe von Passagieren auf diesen Schritt vorbereitete, wurde er zum berühmtesten dieser Helden, als er sagte: „Are you guys ready? Okay, let’s roll. [etwa: Seid Ihr bereit? Okay, los geht’s.]“ [1]

Dieser Sachverhalt wurde durch GTE-Supervisor Lisa Jefferson, mit der Beamer vor dem Crash 13 Minuten lang sprach, bekannt und später in den Abschlussbericht der Untersuchungskommission zu den Anschlägen am 11. September aufgenommen. [2]

Beamer sprach letztendlich mit Jefferson, weil er versucht hatte, per R-Gespräch über seine Kreditkarte seine Frau, Lisa Beamer, anzurufen, dieser Anruf an einen Kundendienstmitarbeiter bei GTE (Verizon), Phyllis Johnson, weitergeleitet wurde, die ihn wiederum zu Jefferson durchstellte. Beamer sprach dann weiter mit Jefferson, anstatt sich mit Lisa Beamer verbinden zu lassen, weil seine Frau schwanger war und er sie nicht aufregen wollte. [3]

Die Verbindungsnachweise belegen, dass Beamer vier Telefonate versuchte, von denen nur das Vierte zustande kam. Dieser Anruf dauerte 3.925 Sekunden (etwas über 65 Minuten), [4] wenngleich Beamer davon nur 20 Minuten lang mit den Angestellten bei GTE (Johnson und Jefferson) sprach. [5] „Mr. Beamer sagte der Angestellten der Vermittlung“, so die Zusammenfassung der Befragung Jeffersons durch das FBI, „dass das Flugzeug entführt worden sei und er gesehen habe, wie zwei Entführer mit Messern sowie eine weitere Person ins Cockpit eingedrungen seien.“ [6]

Im November 2001 verwendete Präsident Bush „Let’s roll“ in einer Rede, in der er Amerika zum Kampf aufrief, um die Terroristen zur Strecke zu bringen. [7] Im Jahr 2002 schrieb die Washington Post: „Von Präsident Bush zu eigen gemacht und zu einem Schlachtruf erhoben“, sah man „Let’s roll“ auch „auf Kampfflugzeugen der Luftstreitkräfte, auf Feuerwehrwagen, auf Sporttrikots in Schulen, auf zahllosen T-Shirts, Schirmmützen und Buttons prangen.“ [8]

Die „Besten Beweise
Es gibt acht Gründe, die Echtheit des besagten Gesprächs zwischen Lisa Jefferson und dem Mann, der sich Todd Beamer nannte, zu bezweifeln.

  1. Es ist sehr unwahrscheinlich, dass ein Passagier auf Flug UA 93 durchgehend 13 Minuten lang mit Jefferson hat sprechen können. [9] Im Buch von Lisa Beamer von 2002 war Jefferson selbst erstaunt und meinte: „Es war ein Wunder, dass Todds Anruf nicht unterbrochen wurde.“ Warum Jefferson es als ein Wunder ansah: „Aufgrund der zahlreichen Telefonate an diesem Tag waren die Systeme bei GTE überlastet, sodass ständig Verbindungen unterbrochen wurden …“ Sie habe immerzu gedacht: „Gleich ist die Verbindung weg!“ [10]
  2. Der Mann, der sich als Todd Beamer ausgab, sprach lieber ca. 15 Minuten lang mit den GTE-Mitarbeitern Johnson und Jefferson, als mit seiner Frau, Lisa Beamer. Jefferson fragte ihn: „Soll ich versuchen, Ihre Frau zu erreichen und sie dann verbinden?“Er antwortete: „Nein, nein. Ich will sie nicht unnötig aufregen. Sie erwartet unser drittes Kind im Januar, und ich möchte sie lieber nicht mit schlechten Nachrichten aufregen, wenn es nicht unbedingt sein muss.“ [11] Das widerspricht dem FBI-Bericht, dass er zunächst versucht hatte, um 9.43:48 Uhr morgens bei sich zu Hause anzurufen. [12]

    Es ist aus dreierlei Gründen unglaubwürdig, dass Beamer später entschieden haben soll, seine Frau doch nicht anzurufen:

    • Laut Jefferson war Beamer überzeugt davon, dass er sterben würde, doch er verzichtete auf die letzte Möglichkeit, mit seiner Frau zu sprechen.
    • Er wollte nicht mit ihr sprechen, um sie nicht aufzuregen, obwohl die Nachricht von seinem Tod sie doch ganz bestimmt aufgeregt hätte.
    • Derjenige, der sich als Todd Beamer ausgab, sagte zu Lisa Jefferson: „Ich möchte nur mit irgendjemandem reden und nur jemanden wissen lassen, dass dies alles passiert.“ [13] Er bat aber nicht darum, mit Verwandten oder Freunden verbunden zu werden.
  3. Trotz der Situation, in der er sich befand, blieb der vermeintliche Todd Beamer die meiste Zeit über erstaunlich ruhig. Jefferson erinnert sich: „Als Todd zu mir durchgestellt wurde, war er ruhig. … Er blieb das ganze Gespräch über ruhig.“ [14] Jefferson schrieb auch: „Seine Stimme war frei von jeglicher Anspannung. Überhaupt war sie so ruhig, dass ich anfing, an der Echtheit und Dringlichkeit seines Anrufes zu zweifeln.“ [15] Später sagte sie zu Beamers Frau: „Wenn ich nicht gewusst hätte, dass es sich hier tatsächlich um eine Entführung handelte, dann hätte ich das für einen Scherzanruf gehalten, weil Todd in dem, was er tat, so rational und methodisch war.“ [16]
  4. Es kann nicht nachgewiesen werden, dass der Mann, der mit Phyllis Johnson und Lisa Jefferson gesprochen hatte, wirklich Todd Beamer war.
    • Keine dieser Frauen kannte ihn, also hätten sie seine Stimme nicht erkennen können.
    • Da der Anrufer nicht mit Lisa Beamer verbunden werden wollte, konnte auch sie nicht sagen, ob es tatsächlich die Stimme ihres Mannes gewesen war.
    • Laut Jefferson ließen weder sie das Gespräch aufzeichnen, [17] noch das angeschlossene Airfone Operations Surveillance Center (AOSC) (etwa: Gesprächsüberwachungszentrum), dem Jefferson den Anruf sofort meldete. [18]
    • Es gibt keine dokumentierte FBI-Befragung von Phyllis Johnson, der Mitarbeiterin bei GTE, die den Anruf angeblich als Erste entgegennahm. [19]
  5. Laut dem Bericht des FBI über die Anrufe von Flug UA 93 aus, die dem Gericht in der Moussaoui-Verhandlung 2006 vorgelegt wurden, werden Todd Beamer vier Anrufe zugeschrieben. Der Erste dauerte „0 Sekunden“ (kam also nicht zustande). Der Zweite, ebenfalls „0 Sekunden“ lang, wurde angeblich genau zur gleichen Zeit wie der Erste (um 9:42:44 Uhr) getätigt. Beim dritten Anruf, der wieder „0 Sekunden“ dauerte, wurde Beamers Festnetznummer zu Hause angewählt. Der vierte Anruf – der angeblich die GTE-Vermittlung erreichte und 3.925 Sekunden (ca. 65 Minuten) dauerte – wurde zu exakt derselben Zeit (um 9:48:48 Uhr) vorgenommen, wie der Dritte. [20] Somit wurden zweimal je zwei Anrufe gleichzeitig getätigt, und es gibt keine offizielle Erklärung dafür, wie sich das ereignen konnte.
  6. Laut Jefferson bestand die Verbindung zum Telefon des Mannes, mit dem sie gesprochen hatte, noch lange nachdem Flug UA 93 abgestürzt war. Sie berichtete, er habe „Let’s roll!“ gesagt und sei danach nicht mehr am Apparat gewesen. Sie schrieb, dass es danach in der Leitung „nur still wurde“. Obwohl sie noch „wahrscheinlich 15 Minuten“ in der Leitung blieb (in früheren Angaben hieß es, es seien 13 Minuten gewesen), habe sie „nie einen Crash gehört“. Sie fügte hinzu: „Ich kann mir das nicht erklären. Wir haben die Verbindung nicht verloren, weil sich das anders anhört. Man hört ein pfeifendes Geräusch, wenn die Verbindung abbricht. Die Verbindung brach aber nicht ab, es wurde nur still.“ [21]

  7. Am 29. September 2001 erhielt das FBI eine detaillierte Aufstellung von der Verizon-Dienststelle für Mobilfunk in Bedminster, New Jersey, dass von Todd Beamers Handy aus 19 Anrufe nach dem angeblichen Absturz von Flug UA 93 um 10:03 Uhr vorgenommen wurden. [22] Dieser Sachverhalt sowie Punkt 6 weisen darauf hin, dass sich der Mann, der sich als Todd Beamer ausgab, entweder nicht auf Flug UA 93 befand, oder dass sich das Handy nicht auf diesem Flug befand, oder dass dieses Flugzeug nicht abstürzte.
  8. Tod Beamer wurde berühmt, weil er sagte: „Are you ready guys? Let’s roll! (etwa: Seid Ihr bereit? Los geht’s!“). Aber diese Worte sind im FBI-Bericht über die Befragung Lisa Jeffersons am Tag des Anrufs nicht zu finden. Stattdessen heißt es dort: „Um ungefähr 9:00 Uhr CDT (Central Daylight Time) sagte Beamer, die Passagiere würden die Entführer gleich angreifen. … Er bat Jefferson [editiert] anzurufen und ihnen zu sagen, dass er sie liebe … Als Nächstes hörte Jefferson, wie ein anderer Passagier grünes Licht gab. Danach hörte sie nichts mehr.“ [23]

Zum ersten Mal wurde Todd Beamers angeblicher „Schlachtruf“ in einem Artikel von Jim McKinnon von der Pittsburgh Post-Gazette fünf Tage später, am 16. September, zitiert. McKinnon hatte diese Formulierung offenbar von Todd Beamers Frau, Lisa Beamer, erfahren, die von McKinnon interviewt worden war. Er gab an, dass Todd Beamer (Berichten zufolge) nicht mehr am Apparat war, nachdem er Lisa Jefferson bat, seine Frau anzurufen. McKinnon schrieb dann: „Zu dem Zeitpunkt hörte Jefferson die, wie Lisa Beamer glaubt, letzten Worte ihres Mannes: Let’s roll!“. [24]

In jedem Fall fehlt im FBI-Bericht über die Befragung von Lisa Jefferson nicht nur die Formulierung „Let’s roll!“ (die ein Ermittler beim FBI einfach nur weggelassen haben könnte). Darin wird auch das Startsignal ausdrücklich einem anderen Passagier und nicht Todd Beamer zugeschrieben.

Fazit

Die wahre Natur der angeblichen Unterhaltung zwischen GTE-Mitarbeiterin Lisa Jefferson und dem Mann, der sich als Todd Beamer ausgab, ist höchst fraglich.

Es gibt acht Probleme im der offiziellen Darstellung über diesen Anruf. Die ersten drei zeigen, dass der Anruf unplausibel war. Das Vierte zeigt, dass die Echtheit des Anrufs nicht bewiesen werden kann. Die nächsten Drei werfen ernste Fragen bezüglich der Telefonverbindung auf. Zu guter Letzt widerspricht es dem, was Lisa Jefferson dem FBI am 11. September mitteilte, dass die Worte „Let’s roll!“ Todd Beamer zugeschrieben werden.

Da dieser Anruf von ausschlaggebender Wichtigkeit ist, was den Beginn des „Kampfes gegen den Terror“ betrifft, zeigen diese Problempunkte, wie auch die der Barbara-Olson-Geschichte, dass sich dieser „Kampf“ beweistechnisch auf eine ebenso schwache Grundlage stützt wie der „Kampf“ gegen den Irak auf der Grundlage von „Massenvernichtungswaffen“. [25]

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Quellenangaben für Punkt PC-1
Lisa D. Jefferson and Felicia Middlebrooks: „Called: Hello, My Name Is Mrs. Jefferson. I Understand Your Plane Is Being Hijacked. 9:45 Am, Flight 93, September 11, 2001 (etwa: Angerufen: Hallo, mein Name ist Jefferson. Anscheinend wird ihr Flug gerade entführt. Flug 93, 9:45 am 11.9.2001“, (Northfield Publishing, 2006), 53; Jim McKinnon: „13-minute call bonds her forever with hero [etwa: 13-minütiges Telefonat verbindet sie für immer mit Helden]“, Pittsburgh Post-Gazette, 22. September 2001.
The 9/11 Commission Report, Abschlussbericht der Untersuchungskommission zu den Anschlägen am 11. September 2001 (2004), S. 13 (pdf-S. 30) und Anmerkungen 80, 81 auf S. 456f (pdf-S. 473f)
Jefferson and Middlebrooks: Called, S. 47-48
Untersuchungskommission zu den Anschlägen am 11. September 2001: „Memorandum for the Record: Department of Justice briefing on cell phone calls from UA Flight 93 [Memorandum für die Akten: Briefing des Justizministeriums über Mobiltelefonate von Flug UA 93 aus]“, 13. Mai 2004. Die von der Staatsanwaltschaft im Prozess gegen Zacarias Moussaoui im Jahr 2006 vorgelegten Grafiken können hier eingesehen werden: „Detailed Account of Telephone Calls From September 11th Flights: Todd Beamer“.
Nachdem Beamer einige Minuten mit Phyllis Johnson, einer Angestellten bei GTE, gesprochen hatte, wurde er an Lisa Jefferson weitergeleitet, mit der er, wie sie sagte, „ungefähr 15 weitere Minuten“ sprach (Jefferson and Middlebrooks: Called, 53); McKinnon: „13-minute call bonds her forever with hero [etwa: 13-minütiges Telefonat verbindet sie für immer mit Helden]“, Pittsburgh Post-Gazette, 22. September 2001.
Bush: ‘My Fellow Americans, Let’s Roll’“, Jessica Reaves, Time Magazine, 9. November 2001
Peter Perl: „Hallowed Ground“, Washington Post, 12. Mai 2002 (www.washingtonpost.com/ac2/wp-dyn?pagename=article&node=&contentId=A56110-2002May8). Dieser Link existiert nicht mehr; einen Nachweis finden Sie hier.
Die 13 Minuten sind in Jeffersons Interview mit dem Journalisten Jim McKinnon angegeben: „13-minute call bonds her forever with hero [etwa: 13-minütiges Telefonat verbindet sie für immer mit Helden]“, Pittsburgh Post-Gazette, 22. September 2001, sowie in Wes Smith, „Operator Can’t Forget Haunting Cries From Flight 93“, Orlando Sentinel, 5. September 2002.
Lisa Beamer and Ken Abraham: „Let’s Roll: Ordinary People, Extraordinary Courage“ (Wheaton, IL: Tyndale House Publishers, 2002), S. 217
Jefferson and Middlebrooks: Called, S. 47-48
Die von der Staatsanwaltschaft im Prozess gegen Zacarias Moussaoui im Jahr 2006 vorgelegten Grafiken können hier eingesehen werden: „Detailed Account of Telephone Calls From September 11th Flights: Todd Beamer“.
Jere Longman: „Among the Heroes [etwa: Unter den Helden]“, Harper Perennial, 2003, S. 204
Wendy Schuman: „‚I Promised I Wouldn’t Hang Up’“, Beliefnet, 2006
Jefferson and Middlebrooks: Called, S. 33
Beamer and Abraham: Let’s Roll!, S. 211
Jefferson and Middlebrooks: Called, S. 36
Jefferson and Middlebrooks: Called, Kap. 1
Siehe die von Intelwire zur Verfügung gestellte Liste der FBI-Interviews die Anrufe Beamers (u. a.) betreffend.
Detailed Account of Telephone Calls From September 11th Flights: Todd Beamer.
Primärquellen: Brief und gefaxte Verbindungsnachweise vom U. S. Justizministerium an die Untersuchungskommission zu den Anschlägen am 11. September 2001, 26. April 2004.
Wendy Schuman: „‚I Promised I Wouldn’t Hang Up’“, Beliefnet, 2006
FBI Indiz Nr. NK 5381, 09/29/2001. (Mr. Beamers Mobilfunkbereich befand sich im Norden von New Jersey [Vorwahl 908], also geben die Nachweise die Ostküstenzeit wieder; siehe Whitepages.com.
Vielen Dank an Shoestring für die Abhandlung „Todd Beamer’s Odd Phone Call and the Silent Crash of Flight 93“, hinsichtlich mehrerer Punkte.

 

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